Im media coffee blog äußerte sich Frau Sammer vor einigen Monaten sehr kritisch über verschiedene Äußerungen von Prof. Klaus Merten, in denen er behauptet, „die Profession Public Relations habe insgesamt eine Lizenz zur Täuschung„. In ihrem Blogpost kritisierte sie vorallem das Stillschweigen des PR-Rates und der gesamten Branche und löste mit der Frage „wollen wir uns den Nachwuchs wirklich durch solche seltsamen Vorträge verwirren lassen?“, eine Diskussion aus.
Heute (fast zwei Monate später) hat sich der DRPR auf einer routinemäßigen Sitzung mit den Äußerungen von Professor Dr. Klaus Merten befasst. Dabei fasste der Rat den folgenden Beschluss: „Der DRPR missbilligt scharf und einstimmig Aussagen von Professor Dr. Klaus Merten, Münster, in denen er behauptet, die Profession Public Relations habe insgesamt eine Lizenz zur Täuschung“.
In der Pressemeldung heißt es weiter: „Äußerungen wie diese seien dazu geeignet, einer Rufschädigung für die ganze Branche Vorschub zu leisten“ (siehe Artikel 18 Code de Lisbonne). Im vorliegenden Fall kommt erschwerend hinzu, dass Professor Dr. Merten als Gesellschafter seines Weiterbildungsinstitutes aufgetreten ist. Seine Äußerungen wirken daher in die Ausbildungsinhalte des eigenen Unternehmens hinein und haben darüber hinaus auch Bedeutung für die Weiterbildung der gesamten Branche.
Die vollständige Begründung des PR-Rates finden Sie hier.
Ein Beitrag von Michelle Mühlhauser
Hi!
Nun, eine lizenz zur täuschung hat die PR sicher nciht – aberdie kunstdes weglassens und der einseitigen darstellung wurde ja fest gepachtet.
@Bela den „Vorwurf“ könnte man aber gut und gerne auch auf den einen oder anderen Journalisten bzw. das ein oder anderen Medium übertragen;-)
Aber hallo – auf jeden Fall! Aber natürlich ist die Pressemeldungs-umtipperei und die arrogante Dummheit auch eine Domäne des Journalismus – man schlage nur die jeweilien Klugscheisser-Fachmagazine auf.
Aber die können wir (noch) nicht ändern, da müssen wir noch in paar Jahre schuften, dann können wir erst was ändern.
Aber, um aufs Thema zurückzukommen: Die PR lügt und beschönigt, und behauptet sie würde das nicht tun. Ich versteh nicht, warum alle auf einem RUmhacken, der Offensichtlichkeiten ausposaunt. UNd von einer RUfschädiguung kann man ja kaum noch sprechen
Natürlich lügt PR, weil sie Instrument der Gewinnmaximierungs-Maschinerie ist, und dieser den Absatz ihrer Produktion erleichtern soll. Nicht mehr und nciht weniger. Aber wieso akzeptieren das die PRler nicht?
(Ach ja, und das Feld Nonprofit-PR lass ich jetzt mal aussen vor – auf jeden Greenpeace-Pressesprecher kommen tausend Pharma-Refernten mit Zugang zum jeweiligen CMS)
Auf der adneren Seit darf man im Journalismus nicht so hart urteilen – während die PR ihre Sachen einfach weitermacht und einen Recht klaren Auftrag hat, ist die Journallie gerade in einer Phase der Marktkonzentrierung und des Umbruchs. Beispiel: Spiegel Online und Bild.de werden eineiige Zwillinge
Wir lassen deinen Kommentar jetzt mal wirken, was aber keiner Zustimmung von uns entspricht. Es gibt Ausnahmen – da wird gelogen und betrogen. Doch ein weiter Teil der PR-Landschaft würde eine solche Aussage berechtigterweise nicht auf sich sitzen lassen. Aus meinen Praktika und den Erzählungen anderer kann ich nur sagen, dass du wahrscheinlich eine ziemlich falsche Vorstellung davon hast, was zum Beispiel eine PR-Abteilung eines mittelständischen Unternehmens alltäglich tut. Sie klärt auf, sie informiert, sie vermittelt, sie unterhält, sie organisiert, sie steht als kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung – und zwar zu allen Seiten. Für das eigene Unternehmen, für die Kunden, für Anwohner, für Journalisten (wobei natürlich diese Beziehungen sowohl negativ als auch positiv sind) und alle Personen, die im Umfeld des Unternehmens stehen. Für die Stakeholder eben, um dieses schöne Wort einzustreuen
.
)
Es ist nicht fair, alles über einen Kamm zu scheren. Nicht, wenn du nicht vorher mit eigenen Augen und Ohren in einer Agentur oder einem Unternehmen einige Wochen oder Monate vor Ort warst. Eventuell würdest du dann noch differenzierter antworten.
(Sina mit Zustimmung von Michelle
Naja, als tagtäglicher Empfänger von FirmenPR sehe ich das in einem starken Dunkelgrau. Natürlichbeziehe ich mich hauptsächlich auf ProduktPR, aber was da „beschönigt“ wird geht auf keine Kuhhaut.
Ein Beispiel: Kompaktkameras, die sich identisch sind, werden mit unterschiedlichen Serientiteln verkauft, um den Kunden einen Unterschied vorzugaukeln (und ja, die Journalisten fallen darauf auch herein
) , der bestenfalls imaginär ist. Altbekannte Neuheiten, nicht funktionierende „Features“ und ähnliches.
Von den üblichen superlativgespickten Presse-“meldungen“ und beschönigenden Beruhigungsversuchen bei tatsächlichen Fehlern mal ganz zu schweigen. Hierbei ein Beispiel: Das iPhone fängt an zu brennen, Apple spricht von leichter Wärmeentwicklung.
Natürlich gibt es auch PR, die informiert, aber in manchen Branchen muss alles überprüft werden. Das ist schade und bezieht sich vielleicht nicht auf die Firmen, bei denen du tätig warst – aber alles, was von Aiptek kommt, durchkämme ich mit sehr kleinem Kamm
P.S. Haben wir die Diskussion nicht schon mal in echt geführt?
Selbst wenn das jemand WOLLTE, absichtlich täuschen (und der erste Impuls ist verständlicherweise oft, zu verstecken, statt sich Kritik auszusetzen), es ist nicht im Interesse der Unternehmen. Früher oder später findet jemand „die ganze Wahrheit“ heraus. Der Rufschaden ist dann nur noch größer.
Andererseits hat PR nicht primär die Aufgabe, neutral „zu informieren“. Klar muss sich strategisch verstandene PR an den Unternehmenszielen orientieren. Dazu gehört auch langfristiger Gewinn. Kein Presse-Verantwortlicher wird also absichtlich Dinge sagen, die dem Unternehmen schaden. Von einem Freibrief für Lügen sind wir damit aber meilenweit entfernt.
Es ist auf einer größeren Ebene wie im Alltag jedes Menschen: wir sprechen mit anderen, haben dabei verschiedene Ziele, wollen, dass die anderen einen mehr oder weniger mögen usw. Auch im Alltag kann/könnte man lügen. Auch da riskiert aber jeder, dass er die Beziehungen zu anderen schädigt. Genauso ist das auch auf Unternehmensebene. Wer unethisch oder allgemein gegen gesellschaftlich akzeptierte und sanktionierte Normen handelt, schadet sich selbst.
PR ist ein Instrument für Unternehmen, mit wichtigen Anspruchsgruppen in Austausch zu treten und die Beziehungen zu gestalten. Es ist eine Management-Funktion, die Kommunikation steuert und Maßnahmen umsetzt.
PR im eigentlichen Sinne – „Public Relations“, also öffentliche Beziehungen zu verschiedenen Gruppen wie zum Beispiel Mitarbeiter, Politiker, Journalisten etc. arbeitet daher langfristig. Es gibt kurzfristige Ziele (z.B. Hilfe beim Produktverkauf, Schutz der Reputation in der Krise), über diesen stehen aber auch langfristige. Und das ist in der Regel, auch morgen noch im Geschäft zu sein.
Dabei gibt es gute PR (nicht zu verwechseln mit „guter Publicity“, also positive Artikel in der Zeitung) und schlechte. So wie es gute Journalisten und schlechte gibt.
Beides sind Professionen, die mit einem hohen Grad an Verantwortung verbunden sind. Und in beiden Bereichen stoßen wir deshalb sehr oft auf die Frage, „Was ist das Richtige?“ Schon alleine, weil Fragen oft keine eindeutige oder objektive Antwort haben, und durchaus verschiedene Sichtweisen legitim sind. Die muss man dann eben versuchen, zusammenzubringen. Mein Wunsch ist, dass sich beide Elemente – PR und Journalismus – als Teile des Systems „Gesellschaft“ dieser Veranwortung bewusst sind und danach handeln.
Für Unternehmen ebenso wie die PR ist das Stichwort „Corporate Social Responsibility“ Leitlinie – oder sollte es sein. Nachhaltigkeit heißt, verantwortungsvoll in jedem Aspekt des täglichen Handelns entscheiden. Und zwar aus einem aufgeklärten Selbstinteresse heraus.
@Daniel: Ja, das hört sich gut an. Und absolut logisch, denn Lügen haben kurze Beine, wie man so schön sagt.
Ein Gedankenexperiment:
Als Kommunikationsverantwortlicher einer Bundeswehreinheit in Afghanistan habe ich die Möglichkeit durch einen gezielten, bewussten Täuschungsversuch die Möglichkeit, das Leben von Soldaten und Zivilisten zu schützen.
Was soll ich tun? Welche Empfehlungen für mein eigenes Handeln kann ich aus den geltenden PR-Codizes ableiten?
Ich bedanke mich bereits jetzt für Eure Antworten.
Hallo Herr Stoltenow,
jede Situation ist anders zu beurteilen und hier hat niemand behauptet, dass PR-Codizes eine Spielanleitung für die korrekte Kriegsführung sind. Dies ist nicht nur eine Frage der Beachtung von Regeln in der PR. Es geht bei einer solchen Entscheidung um Leben und Tod. Wer als Kommunikationsverantwortlicher einer Bundeswehreinheit nach Afghanistan geht, weiß, worauf er sich einlässt. Bitte schmeißen sie Militär und Unternehmen nicht in einen Topf. Das wird dem Ausgangsthema nicht gerecht.
Jede Situation ist anders zu beurteilen. Bei ihrem Bsp. geht es nicht um das Lügen schlechthin. Es geht um das Lügen, damit Menschen geschützt werden – eine Art Notlüge sozusagen.
Die Diskussion, die wir ins Rollen bringen wollten, zielt in eine andere Richtung. Unternehmen bzw. PR-Abteilungen, die sich durch Täuschen bereichern oder retten wollen (das sich Unternehmen bereichern wollen ist klar, es geht hier um den Täuschungszusatz), sollten eindeutig nicht durch solche Aussagen wie die von Herrn Merten in Ihrem Handeln bestärkt werden. Die Aussagen von Herrn Merten waren unserer Meinung nach deshalb nicht genug bedacht. Eine Diskussion auslösen zu wollen ist gut und ich glaube nicht, dass man sich vor eben dieser scheuen will, wenn man genau darüber etwas schreibt (um damit eine Antwort auf Ihren Kommentar bei medienlese zu geben). Musste sie jedoch so ausgelöst werden?
Mir ist bewusst, dass sie aufgrund Ihre Ausbildung und Ihrer Erfahrungen eventuell allergisch auf die Aussage „Man sollte nicht täuschen“ reagieren. Übertragen Sie Ihre (lobenswerte) moralische Haltung, die Sie im Falle der bedrohten Zivilisten und Soldaten haben, einmal auf die allgemeine Bevölkerung in Nicht-Kriegsgebieten. Vorausgesetzt natürlich, deren Leben ist nicht bedroht – was hat ein Unternehmen für ein Interesse zu täuschen? Wenn es das tut (ich habe das auch in der anderen Diskussion hierzu, die sie verfolgt haben, erwähnt), dann ist es ein schwarzes Schaf und sollte nicht zu der breiten Masse an Unternehmen gezählt werden, die eine gute PR-Arbeit erledigen.
Diese Art der Diskussion kann sicherlich ins Endlose gedehnt werden. Bei Diskussionen ist es eben wie im wirklichen Leben – in gewissem Maße hat jeder seine eigene Wirklichkeit, wie Herr Jarchow so treffend Watzlawick zitiert hat. Ob Unternehmen ihre eigene Wirklichkeit/Wahrheit haben dürfen, wage ich jedoch zu bezweifeln. An diesem Punkt setzen nicht nur die PR-Codizes an, sondern auch das Grundgesetz. Da kommen wir aber schon wieder zum nächsten Punkt…
Beste Grüße, Sina Lauer
Hallo Frau Lauer,
danke für Ihre Stellungnahme. Sie ist leider keine Antwort. Allerdings bietet sie durchaus einige Anknüpfungspunkte, um das Ausgangsthema zu diskutieren.
Vorab einige Bemerkungen und Fragen zu Ihren Ausführungen:
„jede Situation ist anders zu beurteilen und hier hat niemand behauptet, dass PR-Codizes eine Spielanleitung für die korrekte Kriegsführung sind.“
Folgt man der Lesart der Bundesregierung, befindet sich die Bundeswehr in Afghanistan nicht im Krieg. Ist diese Aussage eine Täuschung der deutschen Öffentlichkeit und gelten – jede Situation ist anderes zu beurteilen – für die politische PR andere Regeln als für die Unternehmens-PR? Davon steht nichts in den Codizes.
„Es geht bei einer solchen Entscheidung um Leben und Tod.“
Bei welcher Entscheidung wissen Sie sicher, dass es nicht darum geht?
„Wer als Kommunikationsverantwortlicher einer Bundeswehreinheit nach Afghanistan geht, weiß, worauf er sich einlässt.“
Woher wissen Sie das?
„Jede Situation ist anders zu beurteilen. Bei ihrem Bsp. geht es nicht um das Lügen schlechthin. Es geht um das Lügen, damit Menschen geschützt werden – eine Art Notlüge sozusagen.“
Jetzt nähern wir uns dem Thema.
Gedankenexperiment II:
Als Kommunikationsverantwortlicher eines mittelständischen Unternehmens habe ich die Möglichkeit durch einen gezielten, bewussten Täuschungsversuch die Möglichkeit, die Insolvenz des Unternehmens zu verhindern und 200 Arbeitsplätze zu sichern. Nach Überwindung der kritischen Situation äußern die wesentlichen Stakeholder volles Verständnis für meine Entscheidung. Der erfolgreiche Turn-around wiegt schwerer als der Vertrauensverlust.
Was soll ich tun? Welche Empfehlungen für mein eigenes Handeln kann ich aus den geltenden PR-Codizes ableiten?
Ihre Aussage „Unternehmen bzw. PR-Abteilungen, die sich durch Täuschen bereichern oder retten wollen (das sich Unternehmen bereichern wollen ist klar, es geht hier um den Täuschungszusatz), sollten eindeutig nicht durch solche Aussagen wie die von Herrn Merten in Ihrem Handeln bestärkt werden.“ ist hier nicht hinreichend. Sie offenbart vielmehr grundsätzliche Defizite in Bezug auf sozialtheoretische und betriebswirtschaftliche Basiskonzepte. Wieso ist bspw. klar, dass Unternehmen sich bereichern wollen? Können Unternehmen das überhaupt, oder sind es nicht vielmehr Einzelpersonen, die sich ggf. bereichern wollen? Und dürften dann Unternehmen, die sich nicht bereichern wollten täuschen? In den Codizes steht nichts davon, dass ihre Normen an Bedingungen und Absichten geküpft wären. Sie sind im Gegenteil normativ und binär. Genau das kritisiert Merten.
„Die Aussagen von Herrn Merten waren unserer Meinung nach deshalb nicht genug bedacht.“
Es klingt – verzeihen Sie – etwas präpotent einem der anerkanntesten Kommunikations- und PR-Forscher Deutschlands zu unterstellen, er habe seine Aussagen nicht genug bedacht. Wenn Sie sich die Mühe machen, die Entwicklung der PR-Definitionen von Merten nachzuverfolgen, werden Sie eine extrem stringente Argumentation finden.
Und ja, die Diskussion musste ausgelöst werden, wobei – verfolgt man die Geschichte der Auseinandersetzungen von Merten und den Verbänden – zumindest einen Motivmix vermuten kann.
„Mir ist bewusst, dass sie aufgrund Ihre Ausbildung und Ihrer Erfahrungen eventuell allergisch auf die Aussage “Man sollte nicht täuschen” reagieren.“
Gelten damit die PR-Codizes nicht für mich? Und was ist mit jemandem, der eine schwere Kindheit hatte, bspw. unter Kretern, die j abekanntlich alle lügen, wie sie selber sagen?
„was hat ein Unternehmen für ein Interesse zu täuschen?“
Mannigfaltige. Folgt man einer der populärsten Ansätze der betriebswirtschaftlichen Forschung, der Spieltheorie, ist die Möglichkeit der Täuschung konstitutiv für unternehmerisches Handeln. Darauf zu verzichten wäre fahrlässig. Forderungen in Tarifverhandlungen sind dafür ein fast schon banales Beispiel. Und wie ist das bei Übernahmen?
„Diese Art der Diskussion kann sicherlich ins Endlose gedehnt werden.“
Darum geht es nicht. Es geht darum, die unzulässige und unzureichende Verkürzung der Diskussion durch die Verbände, die selbst eine Täuschung ist, zu verhindern.
„Bei Diskussionen ist es eben wie im wirklichen Leben – in gewissem Maße hat jeder seine eigene Wirklichkeit, wie Herr Jarchow so treffend Watzlawick zitiert hat.“
Man kann nicht nicht täuschen, um das mal zu paraphrasieren.
Ob Unternehmen ihre eigene Wirklichkeit/Wahrheit haben dürfen, wage ich jedoch zu bezweifeln.
Sie müssen, denn nur dann ist es möglich, die Welt nach ihrem ideal zu gestalten. Unternehmerisches Handeln ist im Kern Wirklichkeitsformatierung durch Kommunikation.
Beste Grüße
Sascha Stoltenow
Ein Gedankenexperiment III:
Ein amerikanischer Präsident hat die Chance durch ein gezieltes, bewusstes Täuschungsmanöver die marode Wirtschaft anzukurbeln und außerdem Kommunikationsverantwortlichen einer Bundeswehreinheit in Afghanistan die Möglichkeit zu geben, durch einen gezielten, bewussten Täuschungsversuch das Leben von Soldaten und Zivilisten zu schützen…. wie ehrenvoll.
Die Spieltheorie wird i. A. als volkswirtschaftlicher Ansatz betrachtet.
Genau genommen ist die Spieltheorie ein mathematischer Ansatz – und ansonsten ist ja sicher so einiges süß und ehrenvoll, aber Codizes sollten, wenn möglich doch motivationsunabhängig funktionieren.
„Folgt man einer der populärsten Ansätze der betriebswirtschaftlichen Forschung, der Spieltheorie,…“
„Genau genommen ist die Spieltheorie ein mathematischer Ansatz…“
War das jetzt also auch wieder ein bewusstes Täuschungsmanöver? Macht man das so, um seine Argumente zu untermauern? Man lässt einen Begriff fallen, den vielleicht nicht jeder kennt, ordnet ihn willkürlich dem Feld zu über das man gerade redet, und wenn man von einem Dritten darauf angesprochen wird, verbessert man sich und den Dritten, in dem man die Meinung aus Wikipedia zitiert. Wie viel Zivilisten standen denn diesmal auf dem Spiel?
Die Polemik ist schön. Der Zynismus weniger. Aber so gern, wie ich austeile, muss ich auch einstecken – zwar nicht ganz so gerne, aber dennoch. Gebe aber nur ein kleine Wertung, denn in der Diskussion geht es auch um Unternehmenskommunikation. Unternehmerisches Handeln wiederum ist primär Gegenstand betriebswirtschaftlicher Forschung, wobei weiter gefasst auch volkswirtschaftliche Aspekte eine Rolle spielen, wenngleich es auch hier eher mathematische sowie sozialwissenschaftliche Denkrichtungen gibt. Die Spieltheorie – die in vielen Bereichen eingesetzt wird – wird aber tatsächlich gerne in der Betriebswirtschaft eingesetzt. Mehr wollte ich nicht ausdrücken. Wer sich getäuscht fühlt, den bitte ich um Entschuldigung. Es lag nicht in meiner Absicht. Und so gern ich mich auch auf Wikipedia berufe (wenn ich es hätte zitieren wollen, hätte ich das getan), ist das a) durch eine wirklich simple Google-Suche zu lösen und b) bin ich mit einer Mathematikerin verheiratet, so dass ich auch ohne Wikipedia zu einer Meinung fähig bin.
Jetzt freue ich mich wieder auf Antworten – oder bessere Polemiken;-)
Beste Grüße
Keine Antworten sind natürlich auch Antworten. Und Spiegel Online war auch gerade langweilig, so dass sich Herr Klawitter des Themas angenommen hat: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,584750,00.html
Entschuldigen Sie die späte Reaktion, unser Semester ist gerade angelaufen und wir stecken wieder tief in der Vor- und Nachbereitung von Seminaren und Vorlesungen und klopfen zudem unsere Diplomthemen fest. Ein interessanter Artikel, den Sie da verlinkt haben. Aber ich wiederhole mich gerne noch einmal: ich bestreite nicht, dass in der PR betrogen wird. Und auch das wiederhole ich gerne noch einmal: es sind die nicht seltenen Ausnahmen, die mich zu meinen „präpotenten“ Statements kommen lassen. Das sind nicht unbedingt die Großen der Branche, sondern die breite Masse der mittelständischen Unternehmen und auch z.B. Non-Profit-Organisationen. Auf Ihr Szenario antworte ich nicht ausführlich, ich würde gerne sehen, wie andere Leser des Blogs Ihr „Gedankenexperiment“ beantworten. Aber eine Frage dazu: Welche Art von Täuschung meinen Sie? Wenn ich Sie an eine meiner letzten Kommentare erinnern darf: „Jede Situation ist anders zu beurteilen. Bei ihrem Bsp. geht es nicht um das Lügen schlechthin. Es geht um das Lügen, damit Menschen geschützt werden – eine Art Notlüge sozusagen.“ Eventuell fällt auch ihr Beispiel unter diese Kategorie, und da muss ich ihnen Recht geben, um Leben und Tod geht es dabei natürlich nicht! Es geht dennoch nicht um arglistige Täuschung aus reinen Profitgründen. Diese arglistige Täuschung sollte nicht allen PR-Abteilungen zum Vorwurf gemacht werden und die Öffentlichkeit kann Äußerungen wie die von Herrn Merten nun mal leicht so auffassen. Diejenigen Unternehmen, die es tun, schaufeln sich damit oftmals ihr Grab, wenn nicht zumindest ein kleines Loch zum Knöchel verstauchen. Daniel drückt es oben so aus: „Selbst wenn das jemand WOLLTE, absichtlich täuschen (und der erste Impuls ist verständlicherweise oft, zu verstecken, statt sich Kritik auszusetzen), es ist nicht im Interesse der Unternehmen. Früher oder später findet jemand “die ganze Wahrheit” heraus. Der Rufschaden ist dann nur noch größer.“
Ja, so ist es wohl: Jede Situation ist anders und Notlügen sind „erlaubt“, was so viel bedeutet, wie: Diejenigen, die die „ganze Wahrheit“ herausfinden, haben im Nachhinein Verständnis für die Täuschung. Der Rufschaden ist also nicht größer – genau diese Möglichkeit blendet Daniel aus, obwohl sie vermutlich die Regel und nicht die Ausnahme sind. Die von Ihnen vorgeschlagenen Elastizität ist damit nichts anderes als ein weniger abstrakt formuliertes Differenzmanagement im Sinne Mertens.
Und wo wir gerade dabei sind, dem Volk, also uns, auf´s Maul zu schauen: Im Grunde wollen wir gerne vertrauen, wissen, dass die Welt belogen werden will, wissen aber auch, dass Undank der Welt Lohn ist, die da Oben eh machen, was sie wollen und der Ehrliche immer der Dumme ist. Diese Volksweisheiten entstehen ja nicht aus dem Nichts, sondern aus dem Konkreten. Genau deshalb sind die bestehenden Codizes unrureichend, wenn nicht gar überflüssig, weil nicht hilfreich. Und wenn dann der Vorsitzende des DRPR mit einer Gottesformel um die Ecke kommt, wird es abstrus. Ob er für diese Formulierung auch den DRPR einstimmig hinter sich weiß?
Ein Monat ohne Antwort. Schade. Wollen wir die Diskussion vielleicht mal live fortsetzen? Nicht als Selbstvermarktungsveranstaltung, sondern ernsthaft und persönlich. Darmstadt ist ja nicht so weit …
Peinlich, peinlich. In der ganzen Twitter und RSS-Flut ist ihr Kommentar untergegangen. Aus Fehlern lernt man, in Zukunft werden die Änderungen auf unserem Blog an unsere Mailadressen weitergeleitet.
Aber immerhin habe ich so die Gelegenheit, sie zu einer Veranstaltung einzuladen, die von Studierenden meines Jahrgangs organisiert wurde (und zu der man sich erst seit Kurzem anmelden kann). Zur Tagung „Zukunft Online-PR“ http://www.zukunft-onlinepr.de/2009/ können Sie sich gerne anmelden. Sie wird am 29. Januar in Dieburg sein und kostet für Nicht-Studenten 35 Euro. Es werden viele interessante Redner kommen und es wird auch Workshops geben.
Vielleicht finden wir dort Zeit unsere Diskussion fortzusetzen. Momentan bin ich leider vollauf beschäftigt mit dem Ende des 7. Semesters und den Vorbereitungen auf mein Diplomsemester.
в конце концов: шикарно.